Wann offene, wann geschlossene Fragen?

Fragen sind immer förderlich in der Kommunikation, so die landläufige Meinung …  sind Fragen immer förderlich? Die Antwort lautet ja, wenn Sie den Unterschied zwischen offenen und geschlossenen Fragen berücksichtigen und darauf verzichten, Fragen suggestiv oder rhetorisch zu stellen.

Was genau unterscheidet offene von geschlossenen Fragen? Offene Fragen sind Einladungen zur Kommunikation, weil sie keine Antwortrichtung vorgeben. Wie finden Sie es, wenn immer mehr Mitarbeiter sich in Coaching-Methoden qualifizieren? Der Befragte kann die Frage auf seine Art deuten und beantworten. Wenn der Fragende tatsächlich an der Antwort interessiert ist, generiert er viele Informationen.

Geschlossene Fragen laden ebenfalls zu einer Mitteilung ein. Sie begrenzen das Spektrum möglicher Antworten jedoch auf Ja oder Nein: Finden Sie es zweckdienlich, wenn immer mehr Mitarbeiter sich in Coaching-Methoden qualifizieren? Da der Fragende in dieser Formulierung bereits seinen eigenen Maßstab, die Zweckdienlichkeit, eingebaut hat, kann sich der Befragte, wenn er auf die Frageform eingeht, nur noch für oder gegen den Maßstab des anderen entscheiden.

Wählt der Befragte die dritte Möglichkeit, das Umlenken der Gesprächsrichtung beispielsweise durch eine Gegenfrage, hängt der weitere Verlauf des Gesprächs von der Qualität der Beziehung ab: Inwiefern können Sie sich denn vorstellen, dass es noch andere Maßstäbe als den der Zweckdienlichkeit gibt? Stimmt die Beziehung, kann die Kommunikation sich jetzt öffnen. Stimmt sie nicht, dann kann der Austausch sich noch mehr verengen: Antworten Sie doch einfach auf meine Frage.

Die Nachteile beider Fragerichtung liegen nun auf der Hand. Mit offenen Fragen können Gespräche weitschweifig werden. Wer präzise Antworten auf eine offene Frage erwartet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Mit geschlossenen Fragen können Gespräche dagegen entweder eine einsilbige Wendung nehmen und wenig Informationen generieren, oder den Befragten zum Widerspruch einladen.

Im schlechtesten Fall sind geschlossenen Fragen eindeutig suggestiv formuliert. Suggestivfragen nehmen durch die bewertende Formulierung eine Antwort bereits vorweg. Finden Sie nicht, dass Sie Ihr Engagement für dieses Thema übertreiben? Wer fair und respektvoll kommunizieren will, sollte lieber offen zu seinem Urteil stehen: Ich finde, dass Sie Ihr Engagement übertreiben. 

Fragen jedweder Art sind offensichtlich dann kommunikationsförderlich, wenn der Fragende sich tatsächlich für die Antwort interessiert. Wer nicht bereit ist, sich mit den Meinungen und Maßstäben anderer zu befassen, stellt eigentlich nur rhetorisch Fragen.