Warum Fragen paradox formulieren?

Kennen Sie paradoxe Fragen? Paradoxe Fragen gehören zu den systemischen Fragen. Sie fokussieren in ihrer Formulierung genau auf das, was bespielsweise Klienten oder Mitarbeiter eigentlich unbedingt vermeiden möchten. Zum Beispiel könnte sich der Fragende danach erkundigen, wie sein Gesprächspartner die Situation radikal zum Schlechten wenden kann. Aber warum genau das thematisieren, was der andere eigentlich vermeiden will?

Gleich mehrere Aspekte sprechen für diese scheinbar umwegige Methode, die immer guten Rapport voraussetzt. Ein zentraler Aspekt ist der Humor. Weil die Frage nach dem Unerwünschten zumeist unerwartet kommt und angesichts der Lösungserwartung zunächst absurd erscheint, lockert sie die Stimmung: „Wie können Sie Ihr ganzes Geschick einsetzen, um noch schneller in dieser Angelegenheit zu scheitern?“ Der „Ernst der Lage“ hat so die Chance, sich in ein anregendes Spiel zu verwandeln.

Ein weiterer Nutzen der paradoxen Fragen ist ihr indirekter Appell an die Übernahme der Verantwortung. Denn wer geschickt scheitern kann, kann natürlich auch intelligente Lösungen finden. Und wer genügend Ressourcen besitzt, um die Lage gezielt zu verschlechtern, der sollte auch Ressourcen mobilsieren können, um eine Verbesserung herbeizuführen. „Was wäre, wenn Sie Ihr Geschick zum Scheitern in den Dienst einer Lösung stellen?“

Nicht zuletzt führt das paradoxe Fragen dazu, den Problem-Maßstab wieder zu justieren. Auch wenn wir oft nur wenige Meter von einer Lösung entfernt sind, dramatisieren wir aufgrund von Stress gerne die letzten Schritte und beschäftigen uns mit Versagensgedanken. Der Blick auf den anderen Pol, die persönliche „Katastrophe“, zeigt aber sehr schnell, wie groß der bereits geleistete Fortschritt ist: „Wie würden Sie Ihr Leben weiterführen, wenn Sie jetzt, wie von Ihnen erwartet, an dieser Prüfung scheitern werden?“ „Eigentlich Quatsch, denn ich bin doch noch nie durch eine Prüfung gefallen.“