Wie stellt man Präzisierungsfragen?

Wer genau, was genau, wie genau? Wann genau? … Weil Sprache immer verallgemeinert, auf viele Details verzichtet und oft verkürzte Bezüge herstellt, lohnt es sich sowohl im Alltag als auch im Coaching, Präzisierungsfragen zu stellen. Fragen zur genauen Klärung und Differenzierung holen wertvolle Einzelheiten ans Tageslicht und helfen, Perspektivenvielfalt und Wahlfreiheit (wieder-)herzustellen.

Für diesen Zweck sehr bekannt sind die sieben W-Fragen: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie? Wozu? Journalisten nutzen sie beispielsweise, um die Eckdaten von Ereignissen zu klären. Das Metamodell des NLP geht noch einen großen Schritt weiter. Es untersucht die Grammatik der Sätze systematisch auf Verallgemeinerungen, Tilgungen und Verzerrungen, um diese dann aufzulösen. Am einfachsten nachzuvollziehen ist diese Methode anhand der Verallgemeinerungen: „Sind Sie wirklich immer derjenige, der an der Kaffeemaschine leer ausgeht? Unterstützt Sie tatsächlich niemand beim Ihren Aufgaben?“ Präzisierungsfragen offenbaren Übertreibungen auf schnelle Art.

Auch Tilgungen im Satz lassen sich in vielen Fällen leicht erkennen: „Es tut mir nicht gut.“ – „Was genau ist es denn, das Ihnen nicht guttut?“ Aber so offensichtliche Hinweise auf Tilgungen gibt es nicht immer. „Er will nicht.“ Mögliche Nachfragen könnten sein: „Was genau will er nicht? Worauf genau bezieht sich aus Ihrer Perspektive sein Nicht-Wollen? Wie genau äußerst sich dieses Nicht-Wollen?“ Zur Aufgabe des Fragers gehört die Fähigkeit, Auslassungen zu erkennen und die passenden Fragen zur Auflösung der Informationstilgungen zu stellen.

Was bedeutet nun Verzerrung, und wie kann man sie fragend auflösen? Bei Verzerrungen wird Sprache (unbewusst) so eingesetzt, dass auf der Grundlage der Sinneserfahrung nicht haltbare Bezüge entstehen. Sehr beliebt ist das Herstellen von Ursache-Wirkungsbezügen, die sich oft bei genauerem Nachprüfen als vordergründig erweisen. „Er macht mich verrückt.“ – „Was genau tut er, um Dich verrückt zu machen?“ Zumeist offenbart sich, dass der Sprecher selbst sich verrückt macht, weil ihm keine geeigneteren Reaktionsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Eine beliebte Form des Verzerrens ist auch das Gedankenlesen: „Meine Präsentation hat Ihnen nicht gefallen.“ – „Was genau veranlasst Sie, das zu glauben?“ Vergleichbar wirken Unterstellungen: „Die Leute mögen mich einfach nicht.“ – „Welche Hinweise genau sprechen für diese Aussage?“ Auch mit Nominalisierungen können Verzerrungen entstehen : „Ich bekomme keine Liebe.“ – „Was genau heißt es denn für Sie, Liebe zu erfahren? Was müssten andere, und vielleicht auch Sie, tun, damit sich diese Überzeugung verändern kann?“

Möglichst vollständige Informationen ohne grobe Verallgemeinerungen, Tilgungen und Verzerrungen lassen in der Regel die Wirklichkeit weitaus freundlicher erscheinen, als zunächst zu vermuten stand. Mit gutem Zuhören und Sorgfalt im Umgang mit der Sprache werden Ihnen in vielen Situationen Ideen kommen, wie Sie andere mit guten Nachfragen beim Klären ihrer Themen unterstützen können. „Sie sind noch nicht soweit? Was genau brauchen Sie, um jetzt zu beginnen?