In welchem Satir-Typen erkennen Sie sich?

Wann immer es um Konflikte und deren gute Lösung geht, taucht im NLP der Begriff Satir-Typ auf. Welche Satir-Typen gibt es und welchen Nutzen stiften sie, um Konflikte besser zu verstehen?

Die Satirtypen bezeichnen vier nach der Familientherapeutin Virginia Satir benannte grundlegende Stress- und Überlebenshaltungen im jeweiligen Familiensystem, die wir uns bereits als Säuglinge aneignen. Beispielsweise lernen wir, dass Schreien zu Nahrung oder Lächeln zu Zuwendung führen kann. Weil sie tief in uns verankert sind, tendieren wir in Stresssituationen später als Erwachsene dazu, auf diese früh erlernten Muster auch in anderen Kontexten zurückzugreifen.

Jeder der vier Satir-Typ drückt sich typisch durch (non-)verbale Kommunikation und Tonfall, Körperhaltung sowie Mimik und Gestik aus. Virginia Satir hat diese Haltungen in den „Körperskulpturen“ zugespitzt. Satir-Typen sind aber auch charakterisiert durch wiederkehrende Wertehaltungen und Glaubenssätze.

Der Satir-Typ des Beschwichtigers missachtet seinen Wert. Er ist zurückgenommen und unterwürfig, seine Stimme hoch und jammernd. Er glaubt: „Es ist alles meine Schuld“, „Ich bin nicht liebenswert“, „Ich sollte niemanden wütend machen“. Der Ankläger nimmt die umgekehrte Haltung ein. Im Konflikt sieht er nur sich und akzeptiert weder Entschuldigungen noch Erklärungen. Seine Sätze in harter, schriller Stimme heißen „Es ist alles deine Schuld“, „Ich muss mir alles erkämpfen“. Er ist aggressiv nach vorne gerichtet, mit dem Zeigefinger auf sein Gegenüber zielend.

Der Rationalisierer richtet sich nach dem logischen Kontext der Situation. Er ist objektiv und weist Gefühle zurück. Seinen Körper hält er steif und gerade, während er mit ausdrucksloser Stimme monologisiert. Innere Sätze könnten sein: „Ich fühle mich verletzlich und isoliert“ oder „Ich kann keine Gefühle zeigen“. Sein Gegenstück ist der Verwirrer, der wie ein Clown ständig in Bewegung ist, seinen Körper verdreht und den Kopf neigt. Seine Devise lautet „Wenn ich von stressigen Themen ablenke, überlebe ich leichter“, während seine innere Stimme flüstert „Niemand kümmert sich um mich“ .

Als Stressmuster ist das typische Satir-Verhalten natürlich vor allem in brenzligen Situationen aktiv. Paare oder auch Freunde gehen dann zum Beispiel in den Angreifer- bzw. Beschichtigermodus und regen sich gegenseitig immer mehr auf: „Wie schwach kann man sein? Das nervt mich total“. „Wie aggressiv! Das macht mich fertig.“ Der Angreifer streitet sich aber auch gern mit dem Rationalisierer und Verwirrer, weil auch sie scheinbar keine Stellung beziehen. Und so weiter und so fort … So wächst im Streit die Kluft zwischen Menschen, die im Alltag eigentlich ganz gut miteinander können.

Was tun? Wer seine eigenen Stressreaktionen kennt und weiß, zu welchen Satir-Mustern er tendiert, hat gute Karten. Denn das konditionierte Muster lässt sich natürlich mit Verständnis für die Situation variieren. Sind Sie beispielsweise im Streit gerne der Beschwichtiger oder Rationalisierer, dann spielen Sie doch mal mit einer Ihnen gemäßen Variante des Angreifers oder Verwirrers. Dabei geht es nicht darum, den Stress-Kreislauf fortzusetzen, sondern die alte Streitschleife humorvoll zu unterbrechen. Sie haben es geschafft, wenn Ihr Gegenüber sie erstaunt anlächelt und plötzlich einen anderen Ton anschlägt.