Passen NLP und das Gesetz der Anziehung zusammen?

Wie steht das systemische NLP zum Gesetz der Anziehung? Oder ist das Law of Attraction, wie ein Fragender vermutet, ein „sehr stark esoterisch angehauchtes“ Konzept? Weil der Fragende hofft, dass es „… für das Gesetz der Anziehung eventuell auch eine Erklärung [gibt], die … weder unsere Hirnwellen, noch irgendwelche kosmischen Strahlungen bemüht“, sei an dieser Stelle genau dieser Versuch unternommen.

Das Gesetz der Anziehung, das auch Resonanzgesetz heißt, geht von einer Analogie zwischen Innen- und Außenwelt aus: Eigene Gedanken und Gefühle ziehen vergleichbare Gedanken und Gefühle in der Außenwelt an. Tatsächlich gibt es okkultistische und esoterische Quellen für das Resonanzgesetz, das insbesondere durch den Film „The Secret“ von 2006 Bekanntheit erlangt hat. Also Eso im NLP? Das hängt ganz vom gewählten Begründungskontext ab.

Mit der Vorannahme „Die Landkarte ist nicht das Gebiet“ setzt das systemische NLP einen konstruktivistischen Rahmen. Der Konstruktivismus, darin untermauert von der Neurobiologie, geht davon aus, dass unser Gehirn die Wirklichkeit nicht abbildet, sondern individuell konstruiert. Persönliche Wahrnehmungs-Muster sorgen dafür, dass der Sinnes-Input selektiv verarbeitet wird und im Gehirn subjektive Landkarten von der Wirklichkeit erzeugt. Was genau wir wahrnehmen und als bedeutsam gewichten, hängt von diesen subjektiven Landkarten ab.

Schnell entstehen so sich selbst verstärkenden Feedbackschleifen. Denn wir fokussieren unsere Wahrnehmung (un-)bewusst vor allem auf das, was unsere Muster und Vor-Urteile zu bestätigen scheint. In der Soziologie wird dieses Phänomen als selbsterfüllende Prophezeiung bezeichnet. Wer beispielsweise Lebensrisiken durch Versicherungspolicen absichern möchte, freut sich über Nachrichten, die das subjektiv wahrgenommene Risiko untermauern. Denn dann hat er ja nachweisbar alles richtig gemacht.

Genau genommen geht es also im NLP nicht darum, bestimmte Menschen oder erwünschte Entwicklungen anzuziehen. Vielmehr betrachtet es NLP als Aufgabe jedes Einzelnen, Verantwortung für die eigene mentale Landkarte zu übernehmen und sie eigenverantwortlich neu auszurichten. Denn eine veränderte Landkarte ermöglich nicht nur eine neue Weltsicht. Weil sie auch das eigene Auftreten und die eigene Wirkung verändert, verändert sie unser Welterleben.

Und was genau ist nun der Unterschied zwischen konstruktivistische argumentierendem NLP und der Lehre vom Gesetz der Anziehung? Bleibt sich unterm Strich das Ergebnis nicht gleich? Das Gesetz der Anziehung impliziert, dass die Außenwelt mit inneren Prozessen in Resonanz geht. Wie genau Inneres und Äußeres miteinander in Resonanz gehen, steht so in Frage. Das konstruktivistisch denkende NLP dagegen unterscheidet nicht zwischen einer inneren und äußeren Welt. Zwar ist die mentale Landkarte nicht das Gebiet, also die Außenwelt. Aber erleben können wir nur, was wir in unserer inneren Landkarte repräsentieren.