Wie funktioniert inhaltsfreies Arbeiten?

Inhaltsfrei NLP- und Coaching-Methoden anwenden? Wie soll das gehen, fragen sich alle, die bei der Arbeit mit Menschen vor allem an den verbalen Austausch denken. Doch im Handwerkskoffer des NLP gibt es eine große Auswahl an Techniken, bei denen das Thema des Klienten dem Übungspartner oder Coach nicht bekannt sein muss.

Ein Beispiel: Ein Klient möchte ein Erlebnis verarbeiten, über das er nicht reden will. Vielleicht ist es ihm peinlich, vielleicht möchte er auch die involvierten Personen nicht nennen. Der Coach verzichtet daher auf weitere inhaltliche Klärungen und wendet sich den VAKOG- bzw. Sinnes-Fragen zu. Er möchte in Erfahrung bringen, welche spezifischen Sinnesqualitäten für das Erleben des Klienten entscheidend sind.

Hat der Klient das Erlebnis als intensives Bild abgespeichert? Wenn ja, welche Farben oder welche anderen visuellen Submodalitäten bzw. Untereigenschaften des visuellen Kanals spielen dann eine Rolle? Welche Gefühle gehen mit dem Bild einher? Oder ist das Gefühlserleben so stark, dass der Klient ein Bild oder einen Film nur äußerst vage wahrnehmen kann? Welche Tonqualität begleitet oder dominiert sein Erleben? Dieser Prozess ist gründlich, aber kurz, da der Coach den Klienten nicht zu tief in das unangenehme Erleben führen will.

Mit dem Wissen um diese Qualitäten kann der Coach den Klienten durch verschiedene NLP-Formate führen, zum Beispiel durch eine Timeline. Mit Hilfe des Kalibrierens, des genauen Beobachtens der Körpersprache, erkennt der Coach, was der Klient gerade emotional durchlebt. Deshalb kann er Prozess-Impulse setzen, die den Weg zur Veränderung ebnen. Ist zum Beispiel Abstand zum Thema nützlich, bringt der Coach den Klienten in die Metaperspektive. Möchte dagegen der Klient nicht in sein Thema  hineinspüren, geht der Coach den umgekehrten Weg. So regt er die Lösungskompetenz des Klienten an.

Aber es gibt noch weitere Ansätze zur inhaltsfreien Arbeit. Schauen wir zunächst auf die Strategiearbeit. Weil „Erleben eine Struktur“ hat, wie eine zentrale NLP-Vorannahme besagt, kann der Coach mit dem Klienten die Sinnesstrategie herausfinden, mit deren Wiederholung dieser ungünstiges Erleben erzeugt. Eine Veränderung der Problemstrategie bringt auch neues Erleben hervor. Hat zum Beispiel der Klient die Gewohnheit, mit inneren Bildern zu arbeiten, die ihn demotivieren, hilft ihm der Perspektivwechsel durch das Visualisieren motivierender Bildinhalte.

Eine andere NLP-Arbeit zielt darauf, alte Anker aufzulösen, die mit unangenehmen oder einschränkenden Emotionen verknüpft sind. „Die Macht des Entankerns“ ist so stark, dass viele inhaltliche Themen schnell einen besseren Rahmen finden, wenn die alte Emotion weicht. Vielleicht hat eine Klientin ein einschneidendes Erlebnis nicht verarbeiten können. Nun hat sie in vielen Situationen Angst. Das Entankern des alten Angstmomentes macht den Weg wieder frei.

Ein großer Vorteil der nicht am Inhalt orientierten Arbeit: Sie wirkt sehr schnell, weil weder der Coach noch der Klient die Themen kognitiv verstehen müssen. Durch das Öffnen emotionaler Tore entstehen Lösungen, die manchmal überraschend, immer aber nachhaltig sind.