Wicked Questions: Polaritäten vereinen

„Wie kann es sein, dass ein Coach auf inhaltliche Stellungnahmen verzichtet und der Klient im Verlaufe des Coachings dennoch große Klarheit gewinnt? Wie schaffen Coachs es, ohne Ratschläge auszukommen und trotzdem für andere hilfreich zu sein? Wie ist es möglich, dass Coaching-Fragen sich eigentlich als das Gegenteil von Antworten verstehen, und oft doch so viele Lösungen mobilisieren?“

Wicked Questions, auch Verzwickte Fragen genannt, zeigen, dass Gegensätze sich nicht immer widersprechen oder trotz oberflächlichem Widerspruch zusammengehören. Eine solche Konstellation wird Paradoxon genannt. Wir finden sie zum Bespiel in gängigen Redewendungen wie „sei spontan“ oder „weniger ist mehr“. Wicked Questions helfen, Polaritäten zu erkennen. Die damit verbundenen Spannungen lassen sich dann in einem erweiterten Rahmen produktiv auflösen.

Ein Beispiel für eine solche Rahmenerweiterung ist das Coaching-Konzept: In einer Welt mit einem Menschenbild, dass uns als kopfgesteuerte, rein rationale Wesen begreift, sind Ratschläge als die Weitergabe kondensierten Wissen sinnvoll. Doch wenn wir aus systemischer NLP-Coaching-Warte Menschen als verkörperte, über Sinnesrückmeldungen selbstgesteuerte Wesen betrachten, begreifen wir die in der Rolle des Coachs erteilten Ratschläge oder Antworten als Eingriffe in die Selbststeuerung.

Stattdessen reicht dem Coach eine gute Frage wie beispielsweise eine Wicked Question, um Menschen zum Finden ihrer eigenen Antwort anzuregen. „Wie ist es möglich, dass Sie alle bereits so viele Prüfungen erfolgreich bestanden haben und nun befürchten, ausgerechnet bei diesem Test zu versagen? Wie schaffen Sie es, beruflich so erfolgreich Ihre Ziele zu erreichen, sich privat aber erfolglos zu fühlen?“ Keine Antwort ist nachhaltiger als die, die ein Mensch sich selber gibt.

Formuliert man Wicked Questions gemeinsam mit einem Team, wächst die Bereitschaft, eine neue Grundlage zu finden, die Gegensätze im Team vereint. Unterschiede werden so sichtbar als Bereicherung anstelle als Anlass für Konflikt und vielleicht sogar Streit. „Wie können wir wirtschaftlich arbeiten und gleichzeitig maximal kreativ sein? Wie ist es für unser Unternehmen möglich, ethische Grundsätze mit hoher Wettbewerbsfähigkeit zu vereinen?“ Paradoxe bringen immer wieder neue Konzepte hervor.